Brauchtum vom Advent bis zum Hl. Dreikönigstag

Entsprechend der Jahreszeit habe ich mich auf die Suche nach Weihnachts- und Neujahrsbräuchen in der Region rund um die Südsteirische Weinstraße gemacht.

24. Dezember – Heiliger Abend
25. Dezember – Christtag

„Blendend“ – das war die Reaktion von Erzherzog Johann, als er 1823 bei seinem Bruder Karl in Wien das erste Mal einen Christbaum sah.
Einen „typisch südsteirischen“ Christbaum gibt es so eigentlich nicht, ein klassischer „steirischer“ Christbaumschmuck aber besteht aus Wachskerzen, roten Äpfeln, vergoldeten Nüssen und Strohsternen (die an das Stroh in der Krippe erinnern sollen).

In manchen Gebieten, vor allem Richtung Weststeiermark, wurde der Christbaum früher nicht aufgestellt, sondern von der Decke verkehrt herab aufgehängt. Heute wird dies in einigen wenigen Bauernhäusern in der Region noch so praktiziert. In dieser Form kommt die Pracht des Baumes allerdings noch besser zur Geltung.

Neben der Krippe, die zu den Weihnachtsfeiertagen aufgestellt wird und die Geburtsszene Jesu zeigt, gehört auch die Christmette zum Weihnachtsbrauchtum. In der Nacht von 24. auf 25. Dezember  wird, relativ spät, eine Heilige Messe gefeiert. Familien und Nachbarn wandern gemeinsam zur Kirche, dieser Brauch ist für viele ein Ritual am Heiligen Abend.
Der Christtag selbst wird meist gemütlich im Kreise der Familie verbracht.

Der Christbaum bleibt über die Feiertage schön geschmückt, traditionell zu Maria-Lichtmess (2. Februar) wird er dann ab- und weggeräumt.  Heute passiert dies leider meistens schön früher. Einerseits verliert der Baum seine Nadeln, andererseits wird auch der oft süße Christbaumschmuck nach und nach weniger…
Man sollte den Baum aber nicht gleich ganz entsorgen!
Aus der Spitze lässt sich hervorragend ein Holzquirl machen, dazu wird einfach der oberste Astkranz abgeschnitten, zusammengestutzt und dann von der Rinde befreit. Schon die Großeltern wussten ihn zu schätzen, und in Zeiten des Upcyclings und Reusings auf jeden Fall ein aktuelles Thema.

Als es in der Region noch wesentlich mehr Viehhaltung gab, war es üblich das der Bauer in der Christnacht (von 24. auf 25. Dezember) mit Brot, getränkt mit Wein, in den Stall ging um die Tiere damit zu füttern. Ein Brauch der wohl auch aus dem Aberglauben – dass die Tiere in der Christnacht sprechen können und damit die Zukunft prophezeien – zu tun hat.

Die Nacht vor dem 25.12 ist wie die Silvesternacht (31.12 auf 1.01.) und die Nacht von 5. auf 6. Jänner eine der 3 wichtigsten Rauhnächte. Diesen Nächten sind besonders mythisch, man fürchtet sich von den Unholden der Winterstürme. In manchen Regionen heißen diese Nächte auch Rauchnächte, da der Hausvater durch die Räume des Hauses und die Stallungen zog und diese mit Weihrauch segnete. In der Region Südsteirische Weinstraße wird das Segnen von Haus und Hof vielerorts mit Weihwasser gemacht.

 

26. Dezember – Stefanitag

Pferdesegnung, hier mit Pfarrer J. Puntigam (Foto: Ulrike Elsneg)
Pferdesegnung, hier mit Pfarrer J. Puntigam (Foto: Ulrike Elsneg)

Der Stefaniritt ist mittlerweile auch bei uns, besonders in den westlichen Gemeinden der Region, zur Tradition geworden. Der heilige Stephan hatte in seinem Leben eigentlich wenig mit Pferden zu tun. Dieser Brauch stammt wohl eher davon, dass man nach zwei Feiertagen den Pferden wieder die Möglichkeit gibt aus dem Stall zu kommen. Oft werden auch gemeinsame Ritte zu einem Stall oder einer Kirche unternommen, wo dann auch eine Pferdesegnung stattfindet.

 

27. Dezember – Hl. Johannes

Der Legende zufolge soll der Apostel und Evangelist Johannes einen Kelch mit vergifteten Wein gesegnet haben, um ihn danach unbeschadet auszutrinken.
An diesem Tag bringen Weinbauern/Weinbäurinnen aus der Region schon früh morgens symbolisch ein paar Flaschen ihres Weines in die Kirche zur Segnung. Zuhause wird dieser wieder in die Fässer zurückgegeben, um auch den restlichen Wein im Keller zu segnen. Bei der anschließenden „Hansweinkost“ wandern (oder fahren) die Weinbauern zu einigen Kellern der Region um gemeinsam den Jahrgang zu verkosten. Glücklich, wer eine Einladung zur Hansweinkost erhält. Denn eigentlich ist diese Verkostung ausschließlich den einheimischen Weinbauern/Weinbäurinnen vorbehalten!

 

28. Dezember – Unschuldige Kinder

„Frisch und gsund
frisch und gsund
laung leben, gsund bleibn
Christkindl am Hochaltar
wünscht (eich) a guates neiges Joahr!“

Mit diesem Spruch wünschen Mädchen und Buben am 28. Dezember den Erwachsenen ein gutes neues Jahr – während sie diese (mehr oder weniger) sanft mit Birkenruten schlagen. Die Zweige haben idealerweise schon Knospenansätze, sodass das frische Leben der Pflanzen gleich auf den Menschen übertragen wird. Somit soll Gesundheit und Glück gebracht werden. Also:
„net klunzn, net klogn, bis i wieada kumm schlogn!“

 

31. Dezember – Silvester

Zu Silvester gibt es eigentlich keine regionsbezogenen Bräuche an der Südsteirischen Weinstraße, es wird das neue Jahr wie fast überall mit viel Krach, Böllerei und allgemeinen Silvesterbräuchen begrüßt.  Gemeinsames „Sauschädlessen“ soll ebenso wie traditionelle Glücksbringer ein erfolgreiches neues Jahr bringen.

 

6. Jänner – Hl. Drei Könige

Hl. Dreikönigskreuze an einer Stalltür in Eichberg-Trautenburg (Foto: Ulrike Elsneg)
Hl. Dreikönigskreuze an einer Stalltür in Eichberg-Trautenburg (Foto: Ulrike Elsneg)

Ein Brauch, der so anscheinend nur in der Südsteiermark (genauer gesagt im Raum um Maltschach, Arnfels, Eichberg-Trautenburg und Leutschach) existiert, sind die Hl. Dreikönigskreuze. Aus dem geweihten Palmholz des Vorjahres werden kleine Kreuze gefertigt, die von den Bauern und Bäurinnen an (Wein)Keller- und Stalltüren angebracht werden. Teilweise werden diese Kreuze von den HofbesitzerInnen selbst gefertigt, teilweise bringen aber auch Freiwillige Feuerwehren die gesegneten Kreuze. Auch zu Wasserquellen und Äckern werden sie gebracht, um auch diese wichtigen und wertvollen Güter zu schützen. Ab und an findet man sie auch an Hausmauern oder an Holzhütten. Die Kreuze werden in unserer Region vor dem 6.1. aufgehängt, andere Regionen in der Steiermark pflegen diese Tradition zu Ostern (gleich nach der Palmweihe).

In der Zeit zwischen 28. Dezember und 6. Jänner kommen auch die Heiligen Drei Könige, Caspar, Melchior und Baltasar, um das Haus (bzw. die Wohnung) zu segnen. Meist sind es SchülerInnen die als Könige verkleidet von Haus zu Haus ziehen, Dreikönigslieder singen und damit die Dreikönigsaktion der katholischen Jungschar unterstützen. Der Schriftzug 20-C+M+B-15 (Christus mansionem benedicat = Christus segne dieses Haus) mit einem weiteren Kreuz über dem Buchstaben M wird als zusätzliches Segenssymbol über Türen angebracht.

 

Hl. Dreikönigskreuze im Raum Eichberg-Trautenburg, Maltschach und Arnfels

An dieser Stelle möchte ich Frau Mag. Martina Edler vom Volkskundemuseum Graz und Herrn Erich Silberschneider (Brauchtumsverein Maltschach) nochmal für die Auskünfte, Hilfe und Informationen danken!

 

Quellen:

Gespräche mit Frau Mag. Edler und Herrn Silberschneider

GREGER, M. (2008): Brauchtum und Jahr

KAINDL, H. (Hg) (1991): In froher Erwartung. Kunst, Liturgie und Brauchtum in der Advent- und Weihnachtszeit

WALTER, S. (1997): Steirische Bräuche im Laufe des Jahres

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5 Gedanken zu „Brauchtum vom Advent bis zum Hl. Dreikönigstag

  • 22. Dezember 2014 um 19:08
    Permalink

    Schön, über diese weihnachtlichen Traditionen der Region zu erfahren. Schade, daß ich es jetzt noch nicht geschafft habe, über Weihnachten in der Südsteiermark zu verweilen. Für das kommende Jahr bin ich aber optimistisch 🙂 !
    Wünsche Ihnen allen eine gesegnete und ruhige Weihnachtszeit und dann einen guten Rutsch !

    Claus Conzatti

    Antwort
    • Ulrike Elsneg
      23. Dezember 2014 um 10:51
      Permalink

      Lieber Claus,
      danke für das nette Feedback.
      Die Südsteiermark ist auf jeden Fall auch im WEINwinter einen Besuch wert!

      Wir wünschen ebenfalls ein schönes Fest und einen guten Rutsch!

      LG
      Ulrike

      Antwort
  • 21. September 2015 um 19:22
    Permalink

    Grüß Gott zu`sammen, melde mich von Nordfreisland zum Thema Weihnachten-Markt – Besinnung-
    Komme mit einer Bitte zu Euch:
    Hier in NF habe ich einen kleinen Laden mit weststeirischen Qualitäts-Produkten die ich hier verkaufe. Ich bekam das Angebot, beim Weihnachtsmarkt in Tönning mit meinen steirischen Produkten dort aufzuwarten. Dieser Markt wird sehr gerne von vielen Touristen aus Nah und Fern aufgesucht und es wird dort viel eingekauft. Deshalb folge ich diesen Aufruf, hätte da gerne eine kleine w-steirische Unterstützung, damit mein Weihnachtshaus, dass ich angemietet habe so richtig w-steirische aussieht. Was sollte ich unbedingt beachten, was sollte ich unterlassen?
    Für eine schriftliche Mitthilfe bedanke ich mich schon jetzt und verbleibe mit besten Grüßen
    Hanna von Kunhardt

    Antwort
    • Ulrike Elsneg
      23. September 2015 um 14:33
      Permalink

      Liebe Hanna von Kunhardt!

      Es freut uns, dass unsere steirischen Produkte auch in Nordfriesland vertreten sind. 🙂

      Experten für die Weststeiermark sind die Kollegen und Kolleginnen im Schilcherland Steiermark. Zu erreichen unter: Tel.: +43 3462 7520 11 oder office@schilcherregion.at
      Ich habe die Anfrage gleich dorthin weitergeleitet.

      LG
      Ulrike

      Antwort
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