Das Weinjahr 2014

 

In den Wochen und Monaten vor dem wunderbaren Herbstwetter der letzten Tage kam es immer wieder zu starken Regenfällen in der Südsteiermark. Besonders zum Zeitpunkt der Weinlese war das der Fall, was zu einer schwierigen Situation für die Weinbauern und Weinbäuerinnen der Region führte. Ich unterhielt mich mit Wolfgang Maitz vom gleichnamigen Weingut über das „schwierige Weinjahr 2014“ und seine Folgen.

Bei meinen WEINwanderungen konnte ich die Folgen des Regensommers für die Landschaft anhand von aufgeweichten Waldwegen beobachten. Auch in den Weingärten waren ab und zu ein paar ausgeschwemmte Wege zu erkennen. Die Trauben waren alle schon gelesen, die Rebstöcke selbst schienen mir keine Folgeschäden durch das viele Nass zu haben. Aber ist das wirklich so?

Foto: Ulrike Elsneg
Foto: Ulrike Elsneg
Foto: Ulrike Elsneg
Foto: Ulrike Elsneg
Foto: Weingut Wolfgang Maitz
Foto: Weingut Wolfgang Maitz

Ja, meint Wolfgang Maitz, dem Rebstock sieht man ein Regenjahr nicht unbedingt an. Er selbst nimmt keinen Schaden, die Trauben leiden eher unter den Witterungsbedingungen. Dieses Weinjahr begann mit einem relativ frühen Austrieb, der allerdings im März aufgrund der Kälte eingestanden ist. Die Weinblüte verlief recht flott, bei trockenem Wetter. Kritisch war der Überschuss an Wasser zum Reifezeitpunkt, da in den Trauben dadurch ein Überdruck entsteht. In weiterer Folge platzen sie auf und beginnen dann zu faulen. Wäre es das ganze Jahr gleichmäßig feucht gewesen, hätten sich die Trauben besser anpassen können.  Die Zellwände wären elastischer geworden und weniger häufig geplatzt.

Aber was bedeutet eigentlich „viel Regen“ im Weinbau?
Aufgrund der topographischen und klimatischen Situation ist Regen in der Steiermark keine Seltenheit. Wasser kann den Wein positiv beeinflussen, besonders in Sachen Frische. Der Sommer dieses Jahr war allerdings zu niederschlagsreich. Schon vor der Reife der Trauben mussten erste Maßnahmen ergriffen werden. Der Rebstock wurde gepflegt und ausgeputzt. Je nach Reife wurde mancherorts bis zu dreimal Vorgelesen. „Das bedeutet für die Weinbauern konsequente Arbeit“, so Wolfgang Maitz. Arbeit, die aber nicht nur den Rebstock betrifft: Auch die Bodenpflege spielt im Weinbau eine wichtige Rolle.

Ganz pauschal gesagt: ein gesunder Boden ist widerstandsfähiger, und damit ist auch der (gesunde) Weingarten darauf widerstandsfähiger. Wichtig ist es also, das Nährstoffgleichgewicht im Boden zu halten und die Bodenlebewesen, die der Mineralisierung dienen, zu fördern. Das geschieht unter anderem mit der Verwendung von Kompost (anstelle von Mineraldünger), mit dem Einsäen von verschiedenen Pflanzenarten (das dient einerseits der Vielfalt, andererseits verhindert eine Grasnarbe Erosion) und der Tiefenlockerung durch spezielles Pflügen. Auch Bodenverdichtung wird durch den Einsatz von kleineren, leichteren Traktoren mit breiten Reifen vermieden. Natürlich spielt für die Bodenbeschaffenheit auch das Ausgangsmaterial (das Gestein unter dem Boden) sowie die Exposition (die Hanglage) eine Rolle. Mit den oben genannten Maßnahmen lässt sich ein gesunder Boden aber fördern, und der ist die Grundlage für einen gesunden Weingarten.

Aber nun zur wahrscheinlich interessantesten Frage: Wie wird er nun, der Jahrgang 2014?
„Einfach ein klassischer Steirer“, meint Wolfgang Maitz über die Steirischen Klassikweine 2014, „frisch, elegant, leichtfüßig und regionstypisch“ sind die Schlagworte. Typische Sorten wie der Welschriesling und Sauvignon Blanc konnten dem Wetter trotzen und beweisen, das sie perfekt in die Region passen. Hier gab es die wenigsten Verluste, Muskateller und Burgundersorten wie Weißburgunder und Morillon litten eher unter den Witterungsbedingungen. Die Lagenweine 2014 werden spannend werden, da diesmal auch hier Frische im Vordergrund steht. Sie werden auch mäßig im Alkoholgehalt sein (12-13 % vol.). Aber „meistens sind die umkämpften Jahrgänge die interessantesten“.

Der Junker 2014 wird ebenso spannend werden. Erst Anfang Oktober wurde er bei Wolfgang Maitz gelesen, was eine knappe Zeitspanne bis zum Füllen bedeutet. Traditionellerweise wird der Junker nämlich am Mittwoch vor dem Martinstag (11. November) präsentiert.
Der Steirische Junker besticht heuer besonders durch seine Leichtfüßigkeit, seinen Charme und die Filigranität, die er mitbringt. Einfach „Trinkspaß pur“!

Und was für ein Fazit zieht Wolfgang Maitz für das Weinjahr 2014?
„Besser als anfangs gedacht!“
Wir dürfen uns also auf einen interessanten Jahrgang freuen, der die WinzerInnen zwar in Geschick und Können herausforderte, aber sicherlich wieder durch Top-Produkte hervorstechen wird.

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